Geisterbahn
Auf meinem täglichen Schulweg konnte ich in der Straßenbahn allerlei Menschen beobachten.
Mr. Bean, der stets gepflegt seinen Aktenkoffer am Schoß balancierte und Donnerstags vorsichtig das Micky Maus Heft darauf ausbreitete. Wenn er Schnupfen hatte, putze er sich so langwierig die Nase, dass ich aussteigen musste, ehe er damit fertig war.
Ein weiterer Mitreisender, Brille, fiel eben durch seine Brille auf. Anfangs hatte er beide Scharniere mit Klebeband fixiert, etwas später fehlte ein Bügel und ein paar Wochen danach hatte er auch noch den zweiten Bügel verloren und sich die Brille einfach mit einer Angelschnur um den Kopf gebunden.
Vom jungen Mann mit Walkman und lautstarker Madonna - Vorliebe erzählte ich an dieser Stelle bereits.
Warum mir das alles rund 15 Jahre später wieder einfällt? Ich war in diesen Tagen mit der Straßenbahn unterwegs ins Büro und bis auf ein paar Meter gleicht der Weg zu meiner Arbeitsstätte meinem damaligen Schulweg. Mit Mr. Bean verbinden mich seltsame Gepflogenheiten beim Putzen der Nase: ich bin seit einer Woche erkältet, habe es aber noch immer nicht geschafft mir Taschentücher zu besorgen, weshalb ich mich in ersatzweise beschafften Zellstoff jeder Art schneuzen muss. An Herrn Brille denke ich, wenn ich mein Mobiltelefon betrachte: neulich beim frühmorgendlichen Telefonat und dem gleichzeitigen Zubereiten meines Kaffees fiel mir das Ding so unglücklich aus dem Gesicht, dass ich es nun mit einem Gummiband in Form halten muss. Eigentlich könnte ich mir ja das Mobiltelefon mit dem Gummiband gleich an den Kopf spannen, aber warum ich das nicht will habe ich beim letzten Mal bereits ausreichend erklärt.
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